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Reportagen
Tuesday, July 27, 2010, Pflanze

Erbacher Hof - Kleine Parzellen mit großer Aussagekraft

Bundesweit haben die Bayer CropScience-Versuchstechniker während der Saison 2009/2010 auf ihren Versuchsparzellen gesät, gedüngt, Pflanzenschutzmittel ausgebracht und bonitiert. Jetzt, zur Erntezeit, fahren auch sie die Früchte ihrer Arbeit ein. Auf den Versuchsstandorten rattern die Mähdrescher - allerdings ist alles eine Nummer kleiner als auf den umliegenden landwirtschaftlichen Flächen. Auf der Domäne Erbacher Hof im hessischen Büdingen zeigt Erwin Hüfner, worauf es bei der Parzellen-Beerntung ankommt.

Schwerpunktmäßig werden auf dem Erbacher Hof die Fungizidversuche beerntet und anschließend ausgewertet. Die Spannung ist in diesem Jahr besonders groß, stand doch die neue Getreidefungizidtechnologie Xpro auf dem Prüfstand, für die eine Zulassung rechtzeitig für die Anwendung in 2011 erwartet wird. Herzstück dieser neuen Fungizidgeneration ist der neue Wirkstoff Bixafen. Zusammen mit dem Wirkstoff Prothioconazol bildet er zukünftig die Basis für neue Produkte mit einem breiten Spektrum gegen pilzliche Erreger in allen Getreidekulturen. Insbesondere bei Septoria-Arten, Braun- und Zwergrost, Rhynchosporium, Ramularia, Netzflecken, PLS, Halmbruch und Fusarium-Arten wird diese Kombination einen neuen Standard in der Bekämpfung darstellen, vermeldet das Unternehmen.

Die Stunde der Wahrheit
Mit den gelaufenen Bonituren ist Erwin Hüfner bereits sehr zufrieden. "Gute Wirkungen konnten wir vor allem gegenüber Netzflecken und Ramularia feststellen. Gleichzeitig zeigte sich ein guter Stay Green-Effekt, entsprechend gesund verlief bislang die Abreife." Jetzt ist Hüfner gespannt auf die ersten Ertragsergebnisse. Die Beerntung startet mit der Wintergerste. Dazu setzt man auf dem Erbacher Hof einen Wintersteiger Parzellenmähdrescher ein. Der österreichische Hersteller ist ein Spezialist in Sachen Versuchstechnik.

Der Wintersteiger arbeitet sich mit seinem 1,50 Meter breiten Schneidwerk und 52 PS durch die Wintergerste. Nicht Schnelligkeit, sondern Genauigkeit ist Trumpf. Mehr als eine Parzelle (9 qm) in 90 Sekunden sind nicht drin. Das Erntegut wird während der Überfahrt bereits im Mähdrescher gereinigt und dann parzellenbezogen mit dem Mobilen Erntedatensystem Generic Harvest ModuleTM gewogen, die Daten für die spätere Auswertung elektronisch erfasst.

Im Anschluss werden Rückstellproben zunächst auf ihren Feuchtigkeitsgehalt geprüft. Diese Aufgabe übernimmt in diesem Jahr Praktikant Manuel Schwager, der in Triesdorf Agrarwissenschaften studiert. Er entnimmt die Proben aus acht Messbechern und untersucht sie gleich am Feldrand mit einem Feuchtigkeitsmessgerät. Die Werte werden in Tabellen eingetragen. "Die Gerste ist fast noch etwas zu feucht", urteilt Hüfner. "Aber die Beerntung muss jetzt abgeschlossen werden, sonst kommen wir mit dem Raps in Verzug". Die verbleibenden Probemengen verteilt Schwager in beschriftete Papiertüten und bereitet sie für den Versand ins Labor vor. Dort sollen das Tausendkorngewicht und die Hektoliterzahl ermittelt werden.

Mit den vor Ort erzielten Ergebnissen ist Erwin Hüfner schon jetzt sehr zufrieden und spricht von "Bombenerträgen". "Es scheint sich auch in dieser Saison wieder zu bestätigen, dass auf den Bixafen-Flächen 3,5 dt/ha mehr drin sind als beim aktuellen Standard. Zumindest was die Gerste betrifft, kann ich das so schon sagen. Jetzt warten wir natürlich gespannt auf die Weizenergebnisse."

Hüfner, der über langjährige Erfahrungen als Versuchstechniker verfügt, geht davon aus, dass auch beim Weizen gute Erträge drin sind. Die positiven Wirkungen von Bixafen ist jedenfalls schon länger sichtbar. Auch hier konnte Hüfner den langen Stay Green-Effekt und eine gleichmäßige Abreife beobachten. Am Standort Erbacher Hof konnte in 2010 eine überragende Wirkung von Bixafen gegen den Braunrost beobachtet werden. Als besonders spannend beurteilt er die Frage, ob und wie gut der Wirkstoff sich unter den extremen Witterungsbedingungen beim Weizen bewähren wird..

Man muss den Überblick behalten
Insgesamt sind auf dem Erbacher Hof 1.200 Getreideparzellen nur alleine zur Beerntung angelegt, die jetzt ausgewertet werden müssen. Im Schnitt besteht ein Versuch aus 12 Parzellen a vier Reihen beziehungsweise aus 12 verschiedenen Fungizidbehandlungen, die vierfach wiederholt werden. Diese 12 Versuchsglieder fährt der Parzellenmähdrescher hintereinander ab. Körnerproben jeder Parzelle gelangen getrennt in einzelne, nummerierte Messbecher auf dem Mähdrescher, die Restmenge verbleibt im Tank. Nach der ersten Parzellen-Reihe geht es zunächst rückwärts und Erwin Hüfner fährt erneut von vorne in die zweite Parzellen-Reihe mit wiederum vier Parzellen ein. Nach jedem zweiten Durchgang entnimmt Schwager die acht Messbecher, entleert sie, untersucht die Proben auf Feuchtigkeit und sortiert die Rückstellproben. Erst dann kann Hüfner zwei weitere Parzellenreihen mit je vier Parzellen beernten. Am Ende jeder Parzelle muss der Mähdrescher also anhalten und das Dreschwerk muss komplett entleert werden. Am Ende ergibt das insgesamt 48 Einzelproben. 12 dieser Proben werden getrennt erfasst, die Wiederholungen werden als Mischproben zusammengestellt. Die einzelnen Versuchsanordnungen mit den jeweiligen Produkten und Produktkombinationen, den unterschiedlichen Aufwandmengen und Behandlungsterminen legt der Entwicklungs- und Produktmanager vor Saisonbeginn fest. Die Anlage der einzelnen Versuchsglieder erarbeitet und plant der Versuchstechniker am Computer, mit dem speziell hierfür entwickeltem Scout- Programm.

Praxisrelevante Tendenzen
Nach dem Parzellendrusch erntet Hüfner dann die Sortenquartiere. Das sind größere Blöcke, bestehend aus einer Kontrollfläche und drei Behandlungsmaßnahmen, die zweifach wiederholt werden. Diese Flächen sind bereits bonitiert und eingestuft, jetzt geht es noch um die Erträge. Die werden nach der Ernte zusammengefasst und den Landwirten und Züchtern zur Verfügung gestellt. "Damit können und wollen wir natürlich nicht die Ergebnisse der offiziellen Sortenversuche ersetzen", darauf weist Hüfner ausdrücklich hin. "Für die Züchter und die Landwirte lassen sich aber durchaus aussagekräftige, regionale Tendenzen ableiten. Wichtig für uns als Bayer CropScience sind die Reaktionen der einzelnen Sorten auf die Behandlungsempfehlungen, die zum Einsatz kamen."

Die neue Saison steht vor der Tür
Unmittelbar nach der Gerste wird auf dem Erbacher Hof wahrscheinlich der bereits abgereifte Raps gedroschen. Der Schwerpunkt der Versuche in dieser Kultur war die Folicur-Anwendung. "Der Einsatz schützte sehr gut vor Auswinterungsschäden", meint Erwin Hüfner, auch die Wirkung gegenüber Phoma beurteilt er sehr gut. Unerlässlich im Raps ist natürlich auch eine Blütenbehandlung mit Proline. Auch die Insektizide spielen in jedem Jahr eine wichtige Rolle.

Wenn alle Flächen geräumt sind, wird ihm wenig Zeit zum Verschnaufen bleiben. Schon jetzt laufen die Planungen für die nächste Aussaat, Stichtag ist der 25. August für die Rapsbestellung.

 

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